Folge 11: Syrien
Shownotes
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Transkript anzeigen
00:00:09:
00:00:11: Das Megafon.
00:00:15: Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von das Megafone zu unserem Podcast.
00:00:21: hier sprechen Siebille und Mirjam von der Seebrücke Köln.
00:00:24: Hallo an alle die uns gerade zuhören!
00:00:28: Und heute wollen wir mit euch über das Thema Syrien sprechen.
00:00:32: Das Hauptthema von unserem Podcast.
00:00:34: aber jetzt kommen wir erstmal zu unserer ersten Rubrik dem Notizblock.
00:00:41: Ja, ich habe in den letzten Wochen immer wieder gelesen oder gehört zum Thema Grenzkontrollen an den deutschen Grenzen.
00:00:49: Das ist seit Anfang Mai wieder in der Diskussion weil unser Bundesinnenminister Dobrindt diese Grenzkontroll unbedingt verlängern will und er musste sich das Anfang Mai für ein halbes Jahr von der EU genehmigen lassen.
00:01:04: Vermutlich weil er findet, dass das einer der wenigen erfolgreichen Punkte der aktuellen schwarz-rotem Migrationspolitik ist.
00:01:14: Dass die Asylantragszahlen zurückgegangen sind und das wird jetzt auf die Grenzkontrollen zurückgeführt.
00:01:25: Ich habe mir mal Zahlen angeguckt.
00:01:27: Im Jahr twenty-fünfundzwanzig wurden nach Angaben der Bundespolizei zweiundvierzichttausendzweihundert Menschen an den deutschen Grenzen zurückgewiesen.
00:01:37: Davon waren etwa tausend zweihundert Asylsuchende, nur zweihundertzwierzigAsylsuchender hat man aufgrund besonderer Vulnerabilität reingelassen.
00:01:49: Wir finden, das ist mehr eine reine Propaganda-Aktivität als alles andere und wahrscheinlich ist es auch ein Bruch des EU-Rechts.
00:02:00: Die Rechtmäßigkeit dieser Grenzkontrollen ist nämlich immer noch nicht endgültig geklärt.
00:02:05: Im Moment sind mehrere Verfahren an Verwaltungsgerichten anhängig, da gibt es sogenannte Vorentscheidungen die deuten an dass das nicht rechtmäßig ist.
00:02:16: dobernd argumentiert aber das seien doch alles nur Einzelfall Entscheidungen.
00:02:22: Wir sagen das widerspricht auch ganz klar der von Deutschland unterzeichneten Genfer Flüchtlingskonvention.
00:02:28: Die schreibt nämlich fest, dass Menschen zum Zweck der Asylbeantragung auch ohne gültige Papiere einreisen dürfen.
00:02:38: Sowieso sind ja Grenzkontrollen im eigentlich kontrollfreien Schengenraum in Europa nur bei deutlicher Überforderungen der Behörden und bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zulässig.
00:02:55: Nun sind die Asylantragszahlen, mit denen das Ganze begründet wurde, dass deshalb eine Notlage bestehe.
00:03:02: Diese Asyl-Antragszahlen sind von im Jahr und Jahr zwanzig bis zu zweitausendfünfundzwanzig um ungefähr die Hälfte zurückgegangen.
00:03:12: Deswegen ist uns vollkommen unklar wie damit weiterhin eine Notlager erklärt wird – wir finden, das dürfte von den anderen EU-Ländern eigentlich gar nicht so akzeptiert werden!
00:03:24: Außerdem kann man sich denken, wie viele Polizeibeamte dort immer gebunden sind an den Grenzen die für andere Aufgaben nicht zur Verfügung stehen und das Geld was das Ganze kostet könnte man auch gut für andere Dinge einsetzen.
00:03:38: Und jetzt mal ehrlich wer von den tausend zweihundert abgewiesenen Asylantragstellern befindet sich wohl noch im Nachbarland?
00:03:46: Wenn du einmal zurückgeschoben wurdest probierst du es doch wieder.
00:03:49: Und wer von euch kennt nicht kleine Straßen und Wege zum Beispiel zwischen Belgien oder Niederlande und Deutschland, wo niemals die Polizei steht?
00:03:59: Also mir würde da was einfallen.
00:04:01: Und jetzt war ich hier ganz nah in Deutschland an den Grenzen.
00:04:05: Miriam du hast dich mit etwas internationalem beschäftigt, was aber natürlich wie immer auch irgendwie mit uns zu tun hat.
00:04:15: Ja, genau.
00:04:16: Was mich in den letzten Wochen sehr bewegt hat ist der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, also kurz DRC und zwar ging es in den Medienberichten viel um einen amerikanischen Arzt, der sich dort infiziert hat und an der Berliner Charité behandelt worden ist auf einer Sonderisolierstation.
00:04:37: Genau, ich finde da zeigt sich einfach so krass die massive Ungerechtigkeit in der Welt.
00:04:41: Denn je nachdem wo du geboren bist welche Staatsangehörigkeit du hast gibt es dann die Möglichkeit für eine medizinische Betreuung mit Spitzenmedizin und für andere besteht das eben nicht.
00:04:54: also in der Diasie gehen die Isolierkapazitäten zu Neige und die Menschen können gar nicht alle richtig behandelt werden laut der WHO haben, einen Zugang zu medizinischen Grundversorgung.
00:05:09: Dieser Ausbruch passiert in einem Land, in dem ohnehin sehr viele Menschen auf der Flucht sind und Hunger leiden.
00:05:16: So waren zum Beispiel im Jahr ist es für den Ursprungsjahr bis zum Ende des Jahres.
00:05:22: Ich kann das schon nachvollziehen, dass dieser Arzt ausgeflogen worden ist.
00:05:26: Dass sich ein Staat um seine Staatsangehörigen kümmert Ja, dass Menschen die aus einem reichen Land kommen und in Gebiete gehen.
00:05:34: Und da als Arztärztin arbeiten, medizinische Hilfe leisten, sich dann auch wünschen, medizinische Versorgung selber zu halten wenn sie erkranken.
00:05:46: aber trotzdem ist es einfach super ungerecht.
00:05:51: Auch eben das dieser eine Patient in der medialen Berichterstattung so viel Raum eingenommen hat finde ich einfach ein bisschen absurd.
00:06:00: kommen eben noch andere Sachen dazu.
00:06:02: Zum Beispiel ist diese Virusvariante Bundibugio heißt die, gab es zwar bislang nicht so oft aber immerhin schon zweimal, das ist schon zu Ausbrüchen gekommen und es hätte theoretisch die Möglichkeit gegeben dafür Medikamente zu testen oder Impfstoffe zu entwickeln.
00:06:21: Aber es gibt dafür eben keine Lobby- und Pharmahersteller.
00:06:24: Ja, die haben keine finanziellen Anreize für eine Tropenerkrankung in einem Armland Medikamente zu entwickeln.
00:06:31: Genau darauf hattest du mich ja gebracht.
00:06:33: sie bildet und zwar hatte Felix Litschauer von medico international einen Kommentar geschrieben Und er gibt die Schuld an dem Ausbruch auch den eingestampften Hilfsgeldern in der Region.
00:06:45: also das sagt er aber auch verschiedene andere Fachleute.
00:06:49: Und zwar schreibt er, dass die DASI unverhältnismäßig stark von den US-Kürzungen betroffen ist und sagt mehr als achtzig lokale Hilfsorganisationen in Kongo mussten infolgedessen schließen.
00:07:03: In einer Region mit ohnehin unzureichender gesundheitlicher Infrastruktur, einer von Jahren des Krieges gezeichneten Bevölkerung.
00:07:17: Aber nicht nur die USA streichen Hilfsgelder oder haben Hilfengelder gestrichen.
00:07:22: Auch europäische Länder machen das, also zum Beispiel auch Deutschland gibt immer weniger Geld für Entwicklungszusammenarbeit aus.
00:07:31: Um dazu nochmal Zahlen zu nennen, die WHO rechnet damit dass man mehr als fünfzig Millionen US-Dollar benötigen wird um eben mit diesem Ausbruch zurechtzukommen.
00:07:43: Genau, und laut Charité hat die Behandlung von dem einen Patienten beziehungsweise auch glaube ich von seinen Familienangehörigen.
00:07:50: Die wurden nämlich auch nach Deutschland ausgeflogen.
00:07:52: Die Behandlungskosten von ihm haben im niedrigen siebenstelligen Bereich gelegen.
00:07:58: also wenn man sich das einmal überlegt für einen Patienten genau das sind dann ja mindestens eine Million und für ne ganze Region soll man fünfhundert Millionen ausgeben.
00:08:07: es ist irgendwie verrückte Relationen finde ich.
00:08:11: Ja da hast du vollkommen recht, alleine mal solche Gelder nebeneinanderzustellen damit uns hier klar wird mit welch unterschiedliche Maß gemessen wird.
00:08:22: Danke Miriam!
00:08:23: Okay
00:08:23: dann kommen wir jetzt zu unserem Hauptthema.
00:08:25: die Bille fängt einmal damit an so ein bisschen geschichtlichen Hintergrund zu geben über Syrien und was die letzten Jahre dort passiert ist.
00:08:36: Syrien gibt es schon richtig, richtig lange.
00:08:39: Im Jahre sixhundertdreißig nach Christus wurde nämlich eine römische Provinz namens Syria gegründet.
00:08:47: Dann gab es eine sehr wechselvolle Geschichte die ich jetzt nicht weiter beleuchte mit unterschiedlichen Machthabern, unterschiedlicher Religionsausübungen und im jahre neunzehnhundert dreißig wurde dann die syrische Republik gegründe.
00:09:06: Die syrische Republik ist ungefähr so groß wie Deutschland, hat aber deutlich weniger EinwohnerInne.
00:09:11: Nämlich ungefähr zweiundzwanzig Millionen Das sind überwiegend sunnitische Muslime.
00:09:16: Aber es gibt dort auch eine Vielzahl religiöser Minderheiten Wie zum Beispiel aller Witten, Drusen und Christen.
00:09:25: Genau das wird später dann im Gespräch mit deinem Gesprächspartamäri am noch mal ganz wichtig.
00:09:31: Seit nineteenhundertdreiundsechzig steht an der Spitze des Staates die arabisch-sozialistische Badpartei.
00:09:41: Das ist ein sehr diktatorisch totalitäres Regime, jeweils mit einem Mitglied der Familie Assad an der Spitze und seit vielen Jahrzehnten gibt es dort vielfache Verletzungen von Menschenrechten.
00:09:56: politische Gefangennahmen Folter und Ermordung stehen auf der Tagesordnung.
00:10:03: Ab März, haben sich im Land mutige Menschen zu Protesten gegen dieses totalitäre Regime von Assad formiert und im Laufe der Monate hat sich daraus dann ein Bürgerkrieg entwickelt.
00:10:19: Von dem wir ja in den letzten Jahren einiges gehört haben.
00:10:22: Zwei Tausend Sechzehn, also fünf Jahre nach Beginn dieser Unruhen schätzte der Sondergesannte der UN.
00:10:31: Dass es mindestens vierhunderttausend Getötete in Syrien gibt und immer mehr Massaka wurden zu der Zeit bekannt.
00:10:40: Das sind jetzt dann auch genau die Jahre zweitausend Fünfzehn zwei tausend sechzehntin wo hier nach Deutschland viele Syrerinnen und Syrer geflüchtet sind.
00:10:50: Ihr erinnert euch an Merkels berühmten Satz, wir schaffen das.
00:10:54: oder an die irgendwie auch schönen Szenen wo die Menschen am Münchener Hauptbahnhof empfangen wurden mit solidarischen Gesten und Essen.
00:11:03: Und Kleidung wurden ihnen gebracht.
00:11:07: Das ist jetzt genau zehn Jahre her und seitdem ist richtig viel passiert.
00:11:13: viele dieser Syrerinnen sind jetzt bei uns zu Mitbürgern geworden.
00:11:19: Jeder von euch wird ihn begegnen in Gesundheitsberufen als Ärzte werdet ihr welche kennen, als Paketauslieferer im Pflegedienst.
00:11:29: das heißt im Grunde sind sie zu Mit Bürgern in unserem Land geworden.
00:11:35: es arbeiten noch nicht alle dieser Menschen aber von den Männern arbeitet ein sehr hoher Prozentsatz und man sagt dass die Arbeitsmarktintegration dieser Fluchtbewegung der zwei Tausend Fünfzehner, Sechzehner Jahre deutlich schneller verlief als bei früheren Flucht bewegungen.
00:11:56: Dann im November Zwei Tausendsvierundzwanzig entete der Bürgerkrieg nun immerhin in so weit das der Herrscher Assad von der Rebellenarmee gestürzt wurde.
00:12:12: Und seitdem regiert Ahmed al-Sharah.
00:12:16: Ermalsführer der Islamisten, deshalb auch lange ziemlich misstrauisch beäugt.
00:12:23: aber mittlerweile wird er ja von vielen europäischen Regierungschefs ehrenvoll empfangen und man hofft dass er mit der Zeit das Land wieder befrieden kann.
00:12:38: Wobei das natürlich auch mehr als fragwürdig ist wie er da so empfangen wird in der Welt?
00:12:42: Natürlich, natürlich.
00:12:44: Da gibt es Vorschusslorbeeren die hat er sich noch nicht verdient und ich sagte bewusst mit der Zeit weil wir werden gleich von Miriams Gesprächspartner hören.
00:12:54: so weit ist es noch lange nicht und ich erinnerte mich auch an den Besuch von unserem Außenminister Herrn Wadefuhl.
00:13:03: das war im Oktober fünfundzwanzig.
00:13:05: als er nach Syrien fuhr war er wirklich richtig geschockt Zitat gesagt, hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben als er die Zerstörungen in den Straßen gesehen hat.
00:13:20: So ein Ausmaß an Zerstörung habe er persönlich noch nie gesehen und er findet eine Rückkehr von Geflüchteten sei kurzfristig nicht möglich.
00:13:31: stattdessen fordert er das auch Deutschland sich massiv an den Kosten eines Wiederaufbaus des Landes beteiligt.
00:13:39: Aber für diese empathische Reaktion ist er natürlich von seinen CDU-Kolleginnen und Kollegen ziemlich heftig angegriffen worden, sodass du gleich Miriam auf eine ganz andere Zahl eingehen wirst die von der CDU in den Raum geworfen wurde.
00:13:56: Und damit übergebe ich auch an dich, damit du ein bisschen konkreter werden kannst.
00:14:01: Genau also im Vorfeld zu dieser Sendung habe Er stammt selbst aus Syrien und wir haben darüber gesprochen, warum das Land eben nicht sicher ist.
00:14:14: Und was uns als Seebrücke eben auch sehr bewegt ist, dass obwohl der zum Beispiel auch wadevoll selbst CDU politikal gesagt hat, dass die Menschen nicht dahin abgeschoben werden sollten – und trotzdem ist die politische Diskussion in Deutschland geprägt von der Frage Wie können Menschen aus Syrien möglichst wieder in ihr Herkunftsland entweder abgeschoben werden oder Deutschland eben wieder freiwillig verlassen?
00:14:43: Wir wollen heute darüber sprechen, warum das nicht geht und warum Syrien kein sicheres Land ist.
00:14:50: Und jetzt hören wir einmal in das Gespräch rein was ich mit Maro hatte.
00:14:55: Hi Marro schön dass du da bist!
00:14:59: Maro ist selbst in linken aktivistischen Kontexten unterwegs und war auch bei der Seebrücke Köln aktiv.
00:15:05: Er stammt selbst aus Syrien, und es mittlerweile seit zehn Jahren in Deutschland.
00:15:11: Maru magst du einmal berichten wie du damals die Stimmung bezüglich Migration hierzulande wahrgenommen hast?
00:15:18: War das anders als heute?
00:15:20: Ja ich habe die Stimmung damals tatsächlich anders wahrgenommen als heute.
00:15:27: Alles ist vor ungefähr zehn Jahren nach Deutschland geflüchtet bin, hatte ich das Gefühl dass viele Menschen sehr offen auf Geflüchtete zugegangen sind.
00:15:40: Es gab eine große Hilfsbereitschaft sei es durch ihren amtliche Nachbarnen oder Menschen die einfach versucht haben einen willkommen Kultur oder ein Willkommen zu heißen und zu unterstützen.
00:15:57: für mich war das etwas sehr besonders weil man seine Heimatland verlassen hatte und plötzlich in einer völlig neuen Umgebung einkommen musste.
00:16:09: Natürlich möchte ich die Vergangenheit auch nicht romantisieren, auch damals gab es Menschen, die Migration kritisch gesehen haben oder Vorurteile hatten.
00:16:21: Rassismus und Ablehnungen waren nicht komplett verschwunden sind ja immer noch heute nicht Aber mein persönlicher Eindruck war, dass die Bereitschaft zuzuhören und Verständnis zu zeigen insgesamt größer war.
00:16:37: Viele Menschen haben sich dafür interessiert, warum wir geflohen sind und was wir erlebt haben Heute nämlich die Debatte deutlich eingespannter war.
00:16:49: Migration wird viel häufig mit Probleme, Sorgen oder politischen Konflikten verbunden.
00:16:58: oft wird es sehr emotional diskutiert und die Frontenwirken verhärteter.
00:17:06: Man hat manchmal das Gefühl, dass wenig über einzelnen Menschen gesprochen wird und mehr über Zahlen, Statistiken oder politische Positionen.
00:17:18: Was ich dabei schade finde ist, dass leicht vergessen wird, dass hinter dem Thema Migration immer persönliche Geschichten stehen.
00:17:30: Viele Menschen haben Krieg erlebt Familienmitglieder verloren oder mussten alles zurücklassen, was ihnen vertraut war.
00:17:38: Wenn man nur noch über Migration alles politisches Problem spricht, gehen diese menschlichen Schicksale manchmal verloren?
00:17:46: Ja da hast du auf jeden Fall recht.
00:17:48: und ja es gibt dann eben auch immer dieses schreckliche Aussagen.
00:17:52: also zum Beispiel wie von März der im März gesagt hat dass achtzig Prozent der Syrerinnen innerhalb von drei Jahren wieder zurück nach Syrien kehren sollen.
00:18:02: Also er hat das im Anschluss an diese Aussage wieder relativiert und gesagt, dass diese Zahl von dem syrischen Übergangspräsidenten al-Shara'a stammen?
00:18:12: Da fand ich auch witzig hier weil aktueller Präsident von Syrien, der war danach halt in Großbritannien und dann würde die Frage halt gestellt jetzt bezüglich dieser das Thema von der Achtzig Prozent.
00:18:26: Und er hat selber gesagt, nee, der Herr Merz hat es gesagt.
00:18:31: Naja gut, irgendwer wird wohl gesagt haben und ja die Diskussion ist leider auch absolut nicht neu.
00:18:38: Wahrscheinlich erinnern sich die meisten noch am selben Tag als Assad gestürzt worden ist, haben Politikerinnen von CDU und CSU schon darüber gesprochen wie man Menschen aus Syrien wieder abschieben kann also genau wie man sie zurück nach Syrien bringen kann.
00:18:55: Und mittlerweile lockt die Regierung freiwilliger Rückkehrer innen auch mit tausend Euro Staatkapital.
00:19:02: Es gab jetzt auch kürzlich einen Bericht von Fokus, dass das deutsche Innenministerium darüber spricht, dass diese Prämie für Menschen, die eben Deutschland freiwillig verlassen auf achttausend euro erhöht werden soll.
00:19:16: Maro was sagst du zu dieser ganzen Debatte?
00:19:19: Die Diskussion über Abschiebungen nach Syrien macht mir große Sorgen.
00:19:27: Auch wenn ich selbst inzwischen die deutsche Stadtbürgerschaft habe und deshalb wahrscheinlich nicht direkt betroffen wäre, betrifft mich das Thema trotzdem sehr... Ich hab weiterhin Familie, Freundinnen in Syrien und verfolge die Entwicklungen dort sehr aufmerksam.
00:19:47: Was mich an der Debatte oft irritiert ist die Vorstellung Syrien werde teilweise so dargestellt, alles sei das Land inzwischen wieder sicher genug für eine Rückkehr.
00:20:04: Auf meiner Sicht greift das viel zu kurz.
00:20:07: Also Sicherheit bedeutet nicht nur dass die großen Frontlinien eines Kriegs verschwunden sind.
00:20:15: Die entscheidende Frage ist doch ob Menschen dort ohne Angst leben können?
00:20:22: Ob sie überhaupt in Würde leben können.
00:20:25: Gerade für viele Minderheiten in Syrien ist dieser Frage nach wie vor nicht geklärt.
00:20:31: Menschen aus religiösen oder ethnischen Minderhalten, wie Drusinnen, Alavid-Innen, Kurt-Innnen oder Christ-Inne leben in vielen Regionen weiterhin mit der Sorge und großer Angst aufgrund ihrer Identität diskriminiert verfolgt oder Opfer von Gewalt zu werden.
00:20:52: Dieser Angst verschwindet einfach nicht automatisch, nur weil sich die politische oder militärische Lage sich verändert hat.
00:21:03: Und wenn man einfach mit Menschen vor Ort spricht merkt man schnell dass viele nicht von einem Gefühl der Sicherheit sprechen.
00:21:13: Viele Menschen fragen sich immer noch wer sie schutzt wenn Konflikte wieder auflammen Wenn die waffnete Gruppe stärker werden oder wenn sie aufgrund ihrer Herkunft Religion oder politischer Haltung zur Zielscheibe werden, diese Unsicherheit hier in einem Kontext prägt wirklich den Alltag sehr vieler Menschen in Syrien bis heute.
00:21:37: Und deshalb finde ich es problematisch, wenn in der politischen Debatte oft nur drüber gesprochen wird ob Syrien formell alles sicher eingestuft werden kann.
00:21:49: Ja, wie gesagt die Realität ist viel komplexer als das.
00:21:54: Also besonders nochmal beton ich dass für Minderheiten kann eine Region einfach von einem Tag bis zum nächsten auflangen.
00:22:05: Für mich sollte deshalb jede Diskussion über Abschiebungen die tatsächliche Lebensrealität der Menschen berücksichtigen.
00:22:16: wer über Rückführungen spricht muss auch die Frage beantworten, ob die betroffenen Menschen dort wirklich geschützt sind.
00:22:25: Insbesondere diejenigen, die aufgrund ihrer ethischen religiösen oder politischen Zugehörigkeit einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind.
00:22:35: Und obwohl die Lage so unsicher ist wie du es beschreibst werden mittlerweile die allermeisten Asylanträge von Menschen aus Syrien abgelehnt.
00:22:44: Also nur rund fünf Prozent der Antragstellerinnen erhalten beim BAMF einen Schutzstatus.
00:22:50: Und das ist selbst so für die Menschen aus religiösen Minderheiten, also die bekommen total selten einen positiven Bescheid beim Asylantrag.
00:22:58: Am besten sieht es noch bei JesitInnen aus.
00:23:01: da erhalten siebenundfünfzig Prozent ein Schutzstatuss.
00:23:05: aber das heißt eben auch im Umkehrschluss dass über vierzig Prozent der Bei Allerwid-Innen bekommen zwanzig Prozent einen Schutzstatus, bei Christinnen sind es siebzehn Prozent und bei der Gruppe der Druß-Innien sind es sogar weniger als zehn Prozent die beim BAMF einen Schutzstatus erhalten.
00:23:28: Maro ich weiß ja dass du selber aus Sueda bist und auch Druße bist.
00:23:34: Ja und letzten Sommer gab's da viele Übergriffe, viele Menschen wurden ermordet.
00:23:40: Kannst du uns einmal berichten, was dort passiert ist letzten Sommer?
00:23:44: Ja.
00:23:45: Im vergangenen Sommer gab es in Sueda eine sehr eskalierte und schwere Gewalt-Situation.
00:23:55: Es kam zu einer massiver Gewalt gegen die Zivilbevölkerung Und viele Menschen sprechen bis heute von einer sehr schrecklichen Ereignisse.
00:24:08: Das war halt so.
00:24:12: Dörfer würden verlassen, es gab Vertreibungen.
00:24:14: Häuser würden geblündert oder teilweise zerstört.
00:24:18: In vielen Fällen ist die genaue Zahl der Opfer bis heute unklar auch weil ein großer Teil von dem Gebiet sehr schwer zugänglich ist.
00:24:31: Es gibt außerdem Berichte und dokumentierte Videomaterial über schwere Menschenrechtverletzungen in dieser Zeit.
00:24:40: In manchen Aufnahmen, die verbreitet wurden sieht man bewaffnete Gruppen, die sich selbst filmen und dabei auch sehr bedrohliche Botschaften äußern.
00:24:52: Und für viele Menschen vor Ort hat das zusätzlich Angst ausgelöst weil das Gefühl verstärkt hat völlig schutzlos zu sein.
00:25:01: Besonders erschütternd ist dass viele Menschen bis heute traumatisiert sind.
00:25:10: Ja, es gab Vertreibungen aus ganzen Ortschaften und viele Menschen konnten erst später oder gar nicht zurückkehren.
00:25:18: Es gab auch sehr viele dokumentierte Fälle von sexualisierter Gewalt vom Betroffenen.
00:25:25: Das ist super dramatisch!
00:25:29: Ich selbst habe auch in dieser Zeit mehrere Verwandte verloren was das Ganze für mich natürlich noch persönlicher und schwerer gemacht hat.
00:25:40: Was aber viele Menschen in Sweden besonders belastet, ist das Gefühl der völligen Schutzlosigkeit.
00:25:46: Es gab oder gibt immer noch nicht irgendwie wirklich so funktionierenden und unabhängigsten Instituten an die man sich wenden kann wenn so etwas passiert und es ist heftig.
00:26:02: Voll viele Menschen haben das Gefühl dass sie sich in solchen Situationen selbst überlassen sind.
00:26:09: Dazu kommt die ohnehin sehr schwierige wirtschaftliche Lage.
00:26:14: Strom ist nicht zuverlässig verfügbar, Medikamente sind sehr knapp.
00:26:19: viele Menschen können sich selbst grundlegende Versorgung kaum noch leisten.
00:26:24: diese Kombination aus Unsicherheit Gewalt und wirtschaftlichem Druck macht das Leben dort für sehr viele Menschen halt extrem belastend.
00:26:35: Kannst du noch einmal genauer erklären wie es überhaupt zu dem Konflikt gekommen ist?
00:26:41: Ich finde, wenn man das verstehen will was in Züder wirklich im letzten Sommer passiert ist muss man ein Stück in der Vergangenheit gehen.
00:26:51: In Syrien haben den letzten Jahren verschiedene bewaffnete Gruppierungen an Einfluss gewonnen.
00:26:57: Viele davon stammen ursprünglich aus islamistischen Melitzen wie Al-Nusra oder ISIS.
00:27:05: Diese Gruppen sind bekannt dafür eine sehr feindliches Verhältnis gegenüber anderen Religionen und Glaubensrichtungen zu haben.
00:27:14: Auch die Region Schweda wurde in den letzten fünfzehn Jahren mehrfach von solchen Gruppen angegriffen.
00:27:22: Schweda selbst ist mehrheitlich drusisch geprägt, die Region hat sich über mehr als zehn Jahre weitgehend irgendwie so selbst organisiert und sich so gut wie es ging vor einem Assad-Regierung distanziert.
00:27:40: Viele Menschen dort haben versucht, nicht weiter an den Krieg hin gezogen zu werden und keine Männer mehr an den Kampf zu schicken.
00:27:50: Alles dann diese neuen Machtstruktur entstanden sind würde eine quasi neue Regierung aufgebaut die für viele vor Ort haltend ganz theoretisch so wirkte alles würde sie ausschließen auf eigene Leute setzen und keine Rücksicht auf lokale Expertise oder bestehende Strukturen nehmen.
00:28:11: Zum Beispiel Sicherheitskräfte oder Polizei würden komplett neu organisiert, also die damalige Polizei würde komplett aufgelöst und viele Menschen im Stadtdienst würden halt entlassen.
00:28:24: Und das ist für viele in Zwöder anstand.
00:28:27: so dadurch das Gefühl dass Entscheidungen über ihre Region von außen getroffen werden ohne echtes Verständnis die lokale Situation.
00:28:40: Noch dazu kommt, dass es in der Vergangenheit immer wieder schwere Gewalt gegen religiöse Minderheiten gegeben haben soll.
00:28:50: Zum Beispiel ein besonderes Ereignis war halt ein Massaker an den Alavid-Innen, halt im März zwanzig fünfundzwanzig bei dem etwa tausend Fünfhundert Menschen ums Leben gekommen sind.
00:29:05: Solche Ereignisse haben natürlich das Vertrauen zwischen Sweden und der neuen Machtstruktur stark beschädigt.
00:29:14: Auch in den Monaten vor der Eskalation gab es wirklich eine zunehmende Hitze und Spannungen gegen Truß-Innen über Medien oder sozialen Netzwerke, das hat natürlich die Atmosphäre viel verstärkt.
00:29:33: im Sommer begann dann Eine Eskalation, die zunächst mit einem Konflikt zwischen Bedouin ist eine kleine Gruppe der Bevölkerung in Zülda.
00:29:46: Ich habe leider keine genaue Zahl aber ich schätze vielleicht zwischen fünf bis zehn Prozent und drussigsten bewaffneten Gruppen.
00:29:55: Später würde dieser Konflikte zum Anlass genommen dass quasi die staatliche Sicherheitskräfte in der Region geschickt wurden offiziell um die Lage zu stabilisieren und den Konflikt zu lösen.
00:30:09: Viele Menschen vor Ort, ich meine wir auch alles außenstehende einen haben wir das komplett anders gesehen.
00:30:16: Das ist die Situation sehr schnell in Richtung sehr massive Gewalt gegen Zivilistinnen entwickelt hat Und in diesem Zusammenhang ja kursieren zahlreiche Videos Augenzeugen Berichte, die die verschiedenen schwerer Vorfälle beschrieben.
00:30:39: Ja wir gehen einmal kurz aus dem Gespräch wieder raus und zwar genau möchte ich einmal eine Triggerwarnung aussprechen.
00:30:46: Maru wird gleich von Videos erzählen wo man Gewalt hatten und Ermordungen gesehen hat und ja das einmal als Warnung dass darüber gleich gesprochen wird.
00:31:00: Also, wenn man das jetzt nicht hören will dann wäre es am besten so circa drei Minuten fortzuspulen in dem Podcast.
00:31:06: Ich habe sehr viele wirklich Videos über ... über Swede gesehen.
00:31:11: also ja da habt ihr ein Video gesehen über wie ein ehrenamtlicher Mitarbeiter an einem Krankenhaus erschossen wurde ohne Kontext.
00:31:25: Ein anderes Video zeigt wie Menschen aus Der Sicherheitskräfte quasi zwingen zwei Ärzte und ein Ingenieur von einem Balkon im vierten Stock zu springen, während die die Opfer erschossen haben.
00:31:48: Ja also es ist auch ein Fall wie über einen Soldat der auf dem Boden saß neben einer Leiche von einem minderjähriges Mädchen die anscheinend unterwegs mit ihrem Musikinstrument war, wo er einfach sehr abgespielt hat und dabei auch gesagt hat das sind was die Kinder bei den Ungläubigen machen.
00:32:19: Ein weiteres häufig ist auch Vorfall da saß auch ein alter Mann auf dem Boden während einem Soldat mit ihm gesprochen hat und ihn gefragt, was bist du?
00:32:32: Der alte Mann sagt ja ich bin Syrer.
00:32:34: Dann fragt der Soldat, bist Du Muslim oder Druze?
00:32:39: Und dann antwortet der alte Mann, ich bin Druze und an dem Moment wurde er erschossen.
00:32:50: Da sind wirklich Beispiele die werden von Betroffenen und das hat man gesehen.
00:33:01: Es handelt sich gar nicht so um ein Konflikt zu lösen, sondern das war eine gezielte Übergriffe gegen Menschen aus der trostischen Community.
00:33:16: Danke dass du das nochmal so genau berichtet hast und ich finde wenn man dann noch mal die Zahl hört es im vergangenen Jahr weniger als jeder Zehnte aus dieser Gruppe von Menschen die dort angegriffen worden sind überhaupt Asyl bekommen hat.
00:33:29: in Deutschland ist das einfach So viel heftiger.
00:33:34: Wie ist denn die Situation in Sueda heute?
00:33:38: Ich meine, Sueda lebt seitdem so unter ne Blockade quasi überall.
00:33:48: Die Zugänge sind geschwert halt von Sicherheitskräften aus der neuen Regierung.
00:33:53: es im Endeffekt gibt sehr viele Hilfsgüter, die geliefert werden müssen wo die meisten aber nicht kommen.
00:34:02: Es gibt wie so wie Checkpoints halt auf dem Weg und da wird immer von den Menschen die Sachen liefern wollen sehr viel Geld.
00:34:11: Und das sind im Endeffekt, wenn Waren halt in Schwede ankommen dann ist der Preis viel höher als in anderen Regionen.
00:34:19: plus dass diese Checkpoints sie haben immer halt die Machtenscheidung
00:34:23: d.h.,
00:34:23: die entscheiden was kommt rein und was es reinkommt.
00:34:28: Bist du selbst noch mal vor Ort gewesen in Sweda oder insgesamt in Syrien?
00:34:33: Nein, ich war seit sehr langer Zeit nicht mehr dort.
00:34:37: Ich hätte natürlich grundsätzlich schon den Wunsch oder Lust wieder hinzugehen weil ich vor allem die Menschen dort vermisse Familie Freundinnen auch sogar Erinnerungen.
00:34:50: aber gleichzeitig habe ich bislang nicht das Gefühl dass ich alles Drose momentan sicher in Syrien sein kann und Ehrlich gesagt hat diese Unsicherheit nicht nur mit Syrien selbst zu tun, sondern auch... ...mit dem was ich hier in Europa speziell vielleicht auch in Deutschland erlebe.
00:35:12: Besonders nach den Agnissen in Sueda hat sich das irgendwie nochmal verstärkt.
00:35:19: Was mich sehr getroffen hat war nicht nur die Gewalt vor Ort und dann auch die Reaktionen darauf.
00:35:27: Es gab hier in Europas so Trauerkundgebung für Sueda hier in Deutschland, bei denen Menschen zusammengekommen sind um zu trauern und aufmerksam für die das Geschehene zu schaffen.
00:35:40: Und genau dort habe ich persönlich erlebt dass diese Versammlungen teilweise angefeindet wurden oder es sehr aggressive Reaktionen dagegen gab von Menschen aus der syrischen Community was ja einfach dieser Propaganda von der Regierung verfolgen was ich einfach mega schade finde.
00:36:02: Ja, zusätzlich kommt es auch... Es gibt auch ein paar Influencer, syrische Influenza hier in Deutschland und das ist zumindest aus meiner Wahrnehmung die verbreiten einfach Narrative, die sehr stark mit diese Andepositionen der aktuellen Machthaber an Syrien abgelehnt sind.
00:36:21: Diese Enhalte richten sich teilweise auch gegen Drusinnen oder andere Minderheiten und tragen dazu bei, dass sich bestehende Spannungen hier weiter fortsetzen.
00:36:35: Ich sage das natürlich bewusst differenziert.
00:36:38: Natürlich gibt es auch viele syrische Stimme die solidarisch sind und mit Gefühl zeigen.
00:36:46: aber das Problem ist, dass die Leute ja, sorry, lauten polarisierenden Stimmen oft sehr sehr präsent sind und viel Raum einnehmen.
00:37:01: Und wenn man dann erlebt, dass Gewalt oder Massaka gegen die eigene Gemeinschaft nur wenig Empathie auslösen oder teilweise sogar relativiert werden, dann entsteht ein tiefes Gefühl von Unsicherheit und Isolation.
00:37:19: Ich merke für mich selbst das ich zunehmend das Vertrauen verliere, dass hier in Deutschland klar genug Grenzen gezogen werden ist um Hetze oder die Verharmlosung von Gewalt gegen Minderheiten geht.
00:37:35: Am Ende bleibt genau dieses Gefühl zurück, dass viele Drußinnen gerade zwischen zwei Welten stehen mit der Angst um Angehörige in Syrien und gleichzeitig dem Gefühl auch hier nicht wirklich vollständig geschutzt oder verstanden zu sein.
00:37:56: Maru, vielen Dank, dass du das alles mit uns geteilt hast und so offen über das Thema gesprochen hast.
00:38:01: Danke dir!
00:38:02: Und ich finde, was du jetzt gesagt hast, verdeutlicht einfach noch mal so stark wie absurd es ist nur darüber zu sprechen, dass Menschen aus Syrien wieder in das Land zurückkehren sollen ob freiwillig oder unfreiwillig und eben auch, dass so selten ein Schutzstatus gewährt wird.
00:38:20: Nach diesen sehr persönlichen Eindrücken Kommen wir jetzt wieder zu einer etwas theoretischeren Kategorie, nämlich unserer dritten die sich immer mal wieder mit Narrativen beschäftigt.
00:38:33: Das heutige Narrativ kennen wir alle.
00:38:35: Zuwanderung lässt sich durch Beschränkung verringern.
00:38:39: Hierzu habe ich einen Kapitel aus einem Buch gelesen von Hain de Haas.
00:38:43: das ist ein niederländischer Migrationsforscher.
00:38:46: Er hat im Jahr, das Buch geschrieben mit dem Titel Migration.
00:38:54: Zweiundzwanzig populäre Mythen und was wirklich hinter ihnen steckt.
00:38:59: die Wochenzeitung Die Zeit rezensiert dazu ein Plädoyer für eine differenzierte Analyse jenseits ideologischer Lager.
00:39:09: Und auch für mich die ich mich ja wirklich schon viel mit solchen Themen beschäftigt habe enthält dieses Buch einige doch ganz überraschende Erkenntnisse.
00:39:19: Also die Frage ist, lässt sich Zuwanderung durch Beschränkung verringern?
00:39:25: Dazu muss man erst mal sagen, hey in der Haars betrachtet Zuwänderungen insgesamt also Flucht mit Asylantragstellung und Migration allgemein, die ja in überwiegender Zahl einer Arbeitsmigration.
00:39:40: Aktuell hören wir ja politisch allen Teilen, die Zahlen müssen runter.
00:39:44: Wir brauchen Kontrolle.
00:39:46: Anfangs hatte ich schon über die Grenzkontrollen gesprochen, die angeblich auch dazu beitragen sollen und Hände Haas sagt oft bewirken diese Maßnahmen genau das Gegenteil denn sie haben ganz unvorhergesehene Auswirkungen auf das Verhalten.
00:40:02: Dazu gibt es auch Zahlen – Ich habe mal die des Brexit aus Großbritannien herausgegriffen.
00:40:09: Ihr erinnert euch vielleicht die Propaganda damals für den EU-Austritt Großbritanniens, die bezog sich zu großen Teilen auf die Erwartung.
00:40:18: Man könne damit die Zuwanderungszahlen drücken.
00:40:22: Aber komischerweise hinterher stiegen die Zuwanderungszallen auf beinahe das Doppelte.
00:40:28: Woran liegt das?
00:40:31: Bei Zuwanderungsbeschränkungen betrachtet man in der Regel nur die Einreisen in ein Land.
00:40:37: Was sich aber verändert, sind die Ausreisen!
00:40:41: Angenommen du bist eigentlich nur für eine zeitweise Arbeitstätigkeit gekommen und du empfindest deine Situation als ganz gut im Einreise-Land dann wirst du schnell die Idee verwerfen wieder auszureisen solange du annehmen musst.
00:40:56: Vielleicht
00:40:56: komme ich dann gar nicht wieder rein, womöglich sind dann ja nächstes Mal die Grenzen geschlossen.
00:41:02: Du bleibst also lieber!
00:41:05: Anderenfalls wärst du vielleicht erst mal wieder zurückgegangen und hättest später überlegt ob du nochmal für eine neue Arbeitsphase einreist.
00:41:15: Nun bleibste also lieber direkt da und da du aber deine Familie nicht mehr sehen kannst holst du sie am besten über die Familiennachzugsregeln nach.
00:41:24: Wegen des Schutzes von Ehe und Familie lässt sich der Familiennachzug nämlich nicht gut einschränken.
00:41:31: Und siehe da, so sind wieder einige neue Migrantinnen mehr im Land.
00:41:36: Aus den gleichen Gründen passiert es bei drohenden Einreisebeschränkungen dass vielleicht irgendwann mal Pläne zum Auswandern lieber jetzt ganz schnell direkt umgesetzt werden solange es noch geht oder wenn du mit Visum eingereist bist dann verlässt du nach Ablauf des Visums nicht das Land, sondern bleibst lieber auch wenn du dann illegal bist aus der Sorge dass du anderen Falsen die wieder einreisen könntest.
00:42:06: Händehaars beschreibt dass ohne Beschränkungen die Grenze eher so wie eine Drehtür funktioniert und Migranten ungehindert zwischen Herkunfts- und Zielland hin und her reisen würden.
00:42:19: Das nennt man dann zirkuläre Migration.
00:42:22: Diese Form der Migration könne sich auch viel besser an wirtschaftliche Konjunkturzyklen anpassen.
00:42:29: In Zeiten von Wirtschaftswachstum und Arbeitskräftemangel nimmt die Zuwanderung zu, in Zeiten von Rezession- und Arbeitslosigkeit kommen weniger Migrantinnen ins Land und viele gehen nach Hause zurück.
00:42:42: Und bei restriktiven Zuwonderungsbeschränkungen gehen sie dann eben nicht nach Hause bleiben im Zielland und sind gegebenenfalls auf Sozialleistungen angewiesen.
00:42:54: Das hört sich so an, als könnte eigentlich alles viel entspannter laufen, als es das gerade tut und in der aktuellen politischen Diskussion ist.
00:43:03: Als Seebrücke setzen wir uns ja immer für Bewegungsfreiheit aller Menschen ein – und hier wird deutlich dass nicht nur aus humanitären Gründen sondern auch aus wirtschaftlichen Einiges dafür sprechen würde die ihr kommen und gehen selber entscheiden zu lassen.
00:43:21: Lass uns hoffen, dass wir irgendwann davon nochmal etwas erleben!
00:43:26: Ja das wäre sehr schön.
00:43:29: Schön, dass ihr eingeschaltet habt, dass Ihr den Podcast angehört habt und ja... Wir hoffen es hat Euch gefallen.
00:43:37: Tschüss bis zum nächsten Mal.
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